Rathaus Großkühnau
  • Brambacher Straße 45
  • 06846 Dessau-Roßlau OT Großkühnau

Telefon

  • Tel. 0340 619617
  • Fax 0340 5167304

Öffentliche Ortschaftsratssitzungen 2021:

(Corona bedingt finden bis auf Weiteres  keine öffenlichen OR-Sitzungen statt!)

07. September 2021

12. Oktober 2021

09. November 2021

jeweils am Dienstag ab 17:30 Uhr im Sitzungszimmer des Rathauses

Sprechstunden im Großkühnauer Rathaus sind derzeit leider nicht möglich.
Ansonsten finden diese immer am Dienstag von 13:00 -17:30 Uhr statt. Unsere OR-Assistentin Frau Corina Körting nimmt Ihr Anliegen auf und leitet es an die Ortschaftsräte und/oder an die Stadtverwaltung weiter. Gern auch individuelle Termine nach Absprache unter 0340/619617 mit Frau Körting.

 

Kurzer geschichtlicher Abriß von Großkühnau

  • Der älteste Stadtteil von Dessau-Roßlau wurde am 1. Mai 945 urkundlich erwähnt als Qiuna. König Otto I. schenkt dem Markgrafen Christian die Orte Stene und Kühnau. Zahlreiche frühgeschichtliche Funde lassen erkennen, dass bereits in grauer Vorzeit dort Menschen siedelten und die Elbefurt bei Kühnau/Brambach als Handelsweg nutzten. Um 950 wird die Wallburg Kühnau angelegt.
  • 1147 erste urkundliche Erwähnung der Kühnauer Kirche von Erzbischof Friedrich von Magdeburg. Die beiden Kirchenglocken, um 1050 gegossen und der Jungfrau Maria gewidmet, werden mit zu den ältesten Glocken Deutschlands gezählt. Bis 1512 gehörte die Kirche zum Besitz des Klosters in Nienburg/Saale und danach dem Fürsten Ernst von Anhalt. Mit dem Heiligen Abendmahl am Gründonnerstag 1534 hielt das lutherische Reformationswerk in Kühnau seinen Einzug.
  • Im Zuge der Reformation wird 1585/86 die erste Schule in Kühnau eröffnet. Um 1700 besaß Kühnau neben der Schule ein Gemeinde- und ein Hirtenhaus, ein fürstliches Gut (ehemals Rittergut), eine herzogliche Oberförsterei und ein Freigut. Rund 250 Einwohner besaß das Dorf.
  • Zwischen 1706/1708 Schaffung zusammenhängender Deichanlagen durch Leopold I. von Anhalt-Dessau nach holländischem Muster gegen das Hochwasser von Elbe und Mulde. Dabei entsteht auch der Hakenwall, der Kühnau gegen die direkte Hochwasserströmung der Elbe schützt.
  • 1709 Anlegung der "Neuen Reihe" (Kattowitzer Straße, Neekener Straße), als westliche Erweiterung des Dorfes Kühnau.
  • Nach der Gründung des "Neukühnschen Vorwercks" 1711 durch Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau, "der Alte Dessauer", wird für Kühnau die Bezeichnung Großkühnau geläufig. Der Fürst erhebt Großkühnau zu einer selbständigen Pfarrei. Zur Parochie gehörten außer Kleinkühnau und Ziebigk auch Törten und Kochstedt.
  • Prinz Albert, der "Kühnsche Prinz" genannt und jüngerer Bruder des Reformfürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, lässt 1771-1780 das Kühnauer Schloss als seinen Wohnsitz errichten. Das historische Schlossmodell befindet sich als "Reliquiane Philanthropini" im Museum für Stadtgeschichte Dessau. Im Schloss lässt der Prinz ein naturwissenschaftliches Raritäten-Kabinett einrichten. Diese Sammlung bildet den Grundstock des ersten Museums in Anhalt. Erstmalig in Anhalt lässt Prinz Albert eine Pockenschutzimpfung für alle seine Dorfbewohner durchführen, stellt eine Hebamme ein und bezahlt einen Chirurgen zur ärztlichen Versorgung seiner Kühnauer. An Schloss und Kirche lässt er die ersten Blitzschutzanlagen Anhalts installieren und nimmt auch weiterhin Neuerungen vor.
  • Fürst Franz lässt ab Herbst 1795 für die Christen im Geiste jener Zeit einen neuen Friedhof außerhalb des Dorfes hinter der "Neuen Reihe" anlegen mit den heute noch bestehenden Umfassungsmauern sowie einem Aufseherhaus mit Andachtsraum.
  • Als westlicher Teil des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches entsteht ab 1805 der Kühnauer Landschaftsgarten. Er verkörpert einen "sinnlichen Garten" des frühen 19. Jahrhunderts mit altdeutschen Reminiszenzen in einer italienisch anmutenden Landschaft.
  • Weihe der neuen Kühnauer Kirche am 10. Oktober 1830, ein Bau von Carlo Ignazio Pozzi. Es ist die wohl erste im neoromanischen Stil errichtete Kirche Deutschlands. Die Statistik weist für Großkühnau 616 Einwohner aus, die in 66 Häusern leben.
  • In Großkühnau bestehen bis Ende des 19. Jahrhunderts die seltenen Erwerbstätigkeiten wie die Seerosen- und Wassernussernte, das Eisfischen und das Eissägen.
  • Bei der Volkszählung von 1895 werden in Großkühnau 1075 Einwohner gezählt und 1900 sind es 1166 Einwohner, die sich auf 266 Haushaltungen verteilen. Zur Jahrhundertwende gilt der Ort aufgrund seines dörflichen Charakters, seiner reizvollen Auenlandschaft, dem Kühnauer See mit einer Badeanstalt und dem Kühnauer Park zur beliebtesten Sommerfrische der Landeshauptstadt Dessau.
  • Pfarrer Johannes Grape veröffentlicht 1904 sein Buch "Neunhundert Jahre Anhaltischer Dorfgeschichte". Mit diesen geschichtlichen und literarischen Bildern aus der Vergangenheit von Großkühnau und Ziebigk hat er beiden Orten ein bleibendes Denkmal gesetzt.
    Am 17. Oktober 1905 erhalten Straßen und Plätze Großkühnaus erstmals Namensschilder und einen farbigen Ortsplan. Zuvor gab es nur eine Häusernummerierung.
  • 1923 wird Großkühnau mit anderen Vororten nach Dessau, der Landeshauptstadt des Freistaates Anhalt, eingemeindet. An Stelle des periodisch frei gewählten Dorfschulzen und Gemeindevorstehers wird ein Bezirksamt eingeführt.
  • Das Bauhaus, eine Hochschule für Gestaltung, kommt 1925 nach Dessau. Am Kühnauer See feiern die Bauhäusler ihre alljährlichen Sonnenwendfeiern mit Feuer, Picknick und Gesang.
  • Auf dem Exerzierplatz bei Großkühnau wird am 14. März 1931 durch den Naturwissenschaftler und Techniker Johannes Winkler erfolgreich die erste europäische Flüssigkeitsrakete gestartet. Beim Raketenstart am 18. April 1931 konnte der erste Höhenweltrekord einer Flüssigkeitsrakete erreicht werden.
  • Unter der Leitung des Bauhausdirektors Ludwig Mies van der Rohe und des Städteplaners Ludwig Hilberseimer entstanden durch die Architekturabteilung des Dessauer Bauhauses 1931/32 Entwürfe für eine Junkers-Großsiedlung am Kühnauer Park zwischen den Stadtteilen Groß- und Kühnau, Ziebigk und Siedlung. Mit diesen Planungsunterlagen wurden neue soziologische Akzente gesetzt.
  • Der amerikanische Bauhäusler Howard Dearstyne entwarf 1932 für sein Bauhaus-Diplom eine Badeanstalt am Kühnauer See im Sinne der Moderne, also des Neuen Bauens. Ergänzend zum Projekt entwickelte der Architekt und Bauhausdirektor Ludwig Mies van der Rohe für die Kühnauer Badeanstalt eine Stahlrohrliege, die er in verschiedenen Varianten konzipierte und patentieren ließ.

 

Doch hatten die Bewohner Kühnaus auch unter Kriegswirren und Lasten (Dreißigjähriger Krieg) zu leiden und gegen Naturkatastrophen (Hagel 8.7.1823, Hochwasser) anzukämpfen. Besonders gewaltige Überschwemmungen um 1300 und auch 1845 veränderten die Umgebung von Kühnau mehrfach und brachten großen Schaden für Landwirtschaft und Dorfbewohner. So ließ der Herzog Leopold IV. (Buschpolte) die "Neue Reihe", deren Häuser und Stallungen nach dem verheerenden April-Hochwasser 1845 zerstört worden waren, durch Spenden neu aufbauen.

Gefahren vom Elbehochwasser drohten auch 1953 und in jüngster Zeit 2002 und 2013.  

© Helmut Erfurth, 1070 Jahre Kühnau (945-2015) - geschichtliche Höhepunkte (Auswahl) 

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